Oboe – oder das „Schwierigste Instrument der Welt“

Ja tatsächlich – im Guiness-Buch der Rekorde stand die Oboe mal als schwierigstes Instrument. Neben dem Horn. Aber wieso eigentlich? Und was macht die Oboe so schwer?

Dazu muss man zunächst einmal wissen, was eine Oboe überhaupt ist. Die Oboe, wie ihr sie oben sehen könnt, ist ein Blasinstrument aus Holz. Sie sieht ähnlich aus wie die Klarinette, klingt aber ganz anders (Vorsicht, lobt nie einen Oboisten für sein wunderschönes Klarinettenspiel). Das ist so, weil das Mundstück der Oboe im Gegensatz zu dem der Klarinette ein Doppelrohr ist. Das bedeutet man hat zwei aufeinander schwingende Holzplättchen, die man zusammenbindet und unfassbar dünn schabt. Ihr könnt euch also vorstellen, dass die Öffnung zwischen den beiden Plättchen nicht besonders groß ist.
Wie bei einem Luftballon (die kleinen, die sich dann so verdammt schwer aufblasen lassen) braucht man also auch beim Oboespielen Luft und vor allem Druck um das Rohr zum schwingen zu bringen.

Wenn es dann einmal schwingt, ist das die halbe Miete: Dem Instrument den ersten Ton zu entlocken, ist für viele Anfänger die größte Hürde. Und dann? Meine Lehrerin hat immer gesagt: „Wenn du schön reinbläst, dann kommt es auch schön raus!“. Sie hat bis heute Recht gehabt, aber wie man in eine Oboe schön reinbläst, das lässt sich dann doch nicht an einem Nachmittag herausfinden.

Ein Oboist ist immer von vielen Faktoren abhängig. Zu allererst muss das Instrument funktionieren und dann braucht man ein gutes Rohr. Leider hält ein Rohr nicht ewig und man muss es regelmäßig wechseln, das bedeutet aber auch, dass man sich immer wieder auf ein „neues Instrument“ umstellen muss. Jedes Rohr ist anders, ich habe tatsächlich seit ich begonnen habe noch nie zwei gleiche Rohre besessen. Das macht es spannend aber manchmal ist es auch zum Haare raufen, besonders wenn man kurz vor einem Konzert nicht das „richtige“ Rohr finden kann. Gerade für Profi-Oboisten, die ihre Rohre in der Regel selbst bauen und an ihren Klang und ihre Fähigkeiten sehr hohe Ansprüche haben, ist es immer wieder eine Herausforderung, sich mit einem Rohr, was nicht perfekt ist, zufrieden zu geben – und es versteht sich von selbst: Kein Rohr ist perfekt!

Dazu kommt die Tatsache, dass die Oboe an sich manchmal eher an ein Sportgerät erinnert, als an ein Musikinstrument. Man braucht eine große Lunge und Durchhaltevermögen – und sogar ein paar Bauchmuskeln. Regelmäßig Sport zu machen gehört für viele Oboisten genauso dazu, wie das Üben am Instrument.

Auch die Oboe selbst ist eher eine anspruchsvolle Diva als ein entspannter Hippie-Gefährte. Sie will gepflegt und beachtet werden, sie mag keine Wetterumschwünge, kalte Kirchen und überhaupt ist sie gar nicht begeistert, wenn man sie einem plötzlichen Temperaturwechsel aussetzt. Wenn sie die Nase so richtig voll hat, dann reißt sie einfach – aber keine Sorge, Risse lassen sich in der Regel einfach kleben. Manchmal verändert sich auch die Mechanik, so dass man nur noch resigniert feststellen kann, dass beim geliebten Instrument wohl mal wieder eine Schraube locker ist.

Spätestens jetzt fragt ihr euch zurecht: Wenn das alles so kompliziert ist, warum lernt dann überhaupt jemand Oboe? Eine Antworte ist natürlich, dass die schönsten Soli im Orchester für die Oboe geschrieben wurden. Wer einmal einen guten Oboisten gehört hat, läuft Gefahr, sich in das Gehörte zu verlieben. Die Oboe steht mit ihrem so besonderen, beinahe sphärischen Klang für etwas himmlisches, aber auch für etwas tieftrauriges, was viele Menschen berührt.
Für viele Oboisten ist auch gerade die Tatsache, dass man sein Mundstück immer wieder wechseln muss und so in der Lage ist jedes Mal eine andere Klangfarbe zu erschaffen, ein Grund mehr Oboe zu spielen. Wie ein Sänger hat jeder Oboist eine eigene Stimme, mit der man sich verbunden fühlt und die man benutzt, um das was sich im Innern eines jedes Menschen befindet, nach außen zu bringen.
Die Oboe ist ein besonderes Instrument für alle, die sich von Herausforderungen nicht davonjagen lassen – aber was ist unser Leben schon ohne eine Herausforderung und wir alle wissen: Hinter jeder gemeisterten Hürde wartet die Belohnung.

Wenn du Oboe lernen möchtest, suche dir am Besten einen Lehrer. Es gibt sehr wenige Autodidakten, denn es braucht besonders am Anfang regelmäßige Kontrolle und Unterstützung, um sich das Spielen dieser hölzernen Diva einfacher zu machen.

Auch bei mir kannst du Oboe lernen – wenn du in München und Umgebung wohnst, kannst du mich gerne kontaktieren und zu einer Probestunde vorbeikommen.

1 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich bin eine Schülerin an einer musischen Schule (Max Josef Stift Gymnasium, München, Bogenhausen)
    und Spiele auch Oboe. Manchmal Frage ich mich: warum Spiele ich nicht Saxophon? – weil das nicht so schön klingt. Oboe hat einen vollen, ruhigen Klang, während die Klarinette und das Saxophon so hohl klingen. Ich danke Ihnen für diesen „Bericht“, ich habe das nämlich schon mal von meiner Lehrerin gehört.
    Ich habe sie abonniert und werde hoffentlich noch weitere gute Artikel von ihnen lesen.
    Liebe Grüße,
    Martha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.