Ich bin kein Klempner – ich bin ein Oboist!

„Ich muss noch dringend Rohre bauen“ – dieser Satz ist nicht nur was für Klempner

Wer einen Oboist kennt, hat ihn sicherlich schon oft gehört. Das Rohr ist das Mundstück, ein überlebenswichtige Utensil… zumindest eben für Oboisten.
Ca. 7 cm ist es lang und besteht rein optisch von außen betrachtet aus einem Korkstück, ein paar lustig bunten Fäden und einige wenige Zentimeter Holz. „Arundo Donax“ heißt diese Bambusart.
Wir alle wissen schon, Oboisten sind extravagant und abgesehen davon, dass sich „Birke“ oder „Buche“ einfach langweilig anhört, ist „Arundo Donax“ auch eine der wenigen Hölzer, mit der Oboisten mehr oder weniger funktionierende Rohre bauen können.
Das Schilfrohr wächst natürlich nicht überall: In Frankreich, China oder der Türkei ist das Klima besser als im eigenen Gartenteich. Das Rohrholz wird für die Verwendung abgeschnitten, getrocknet und dann verkauft – und dann geht es eigentlich erst los.

Je nachdem, wie ambitioniert man ist, kauft man sich kleine Maschinen im Einzelhandel und bearbeitet den rohen Bambusstab so ganz von Anfang an. Ich zum Beispiel bin, bezogen auf Schreinerarbeiten, ein eher fauler Mensch, deshalb besorge ich mir mir lieber vorgeschnittenes Holz.
Das muss ich dann nur noch einweichen, anschneiden, knicken, einweichen, fixieren, aufbinden, anspitzen, abschneiden, die Ansprache ausarbeiten, schaben und einspielen. Schon ist es fertig!


Rohre bauen ist ein zeitintensives Hobby. Aber auch ein entspanntes und irgendwie meditatives. Im Lauf der Zeit entwickelt man so seine Strategien. Ein guter Film auf Arte, eine Rolle Garn, und ein paar lose Hölzer – schon hat man eine wunderbare Samstagabend-Beschäftigung. Das klingt ein bisschen nerdig und das ist es auch.
Aber: Irgendwie hat Rohre bauen etwas magisches. Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich meine eigenen Stimmbänder schnitzen. Zugegeben, bis man ein Rohr bauen kann, aus dem auch etwas Vernünftiges heraus kommt, dauert es ein wenig, aber das Erfolgserlebnis ist groß. Zusammen mit meinen Schülern darf ich diesen ersten Erfolg zum Glück immer wieder erleben, denn je länger man seine Mundstücke baut, desto selbstverständlicher wird es, dass auch aus jedem Rohr bitteschön etwas Vernünftiges heraus kommen soll! Aber die Rohre haben ihren eigenen Kopf. Und erinnern mich immer wieder daran, dass es doch irgendwie eine ganze schöne Kunst ist, aus einem Stück Holz und einem Metall-Korken etwas zu bauen, dass dann später klingen kann wie Mozart oder Bach. Oder Strauß.

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