Corona und die Liebe zur Musik

Schon seit mehr als zehn Tagen ist das öffentliche Leben nun weitgehend lahmgelegt und damit auch die Kultur, die Musik, beinahe alles, was schön ist und uns Freude macht. Übrig bleiben die Versuche, über das Internet unser soziales Miteinander aufrecht zu erhalten. Wie schön, dass es diese Möglichkeit gibt und auch ich möchte heute einen kleinen Artikel schreiben, der zumindest von der momentanen Situation beeinflusst wurde.

Viele meiner Freunde erleben gerade Zeiten großer Sorge. Auch ich mache mir Gedanken, was wird, wenn sich die Beschränkungen über einen längeren Zeitraum ziehen. Aber ich habe großes Glück: Denn erstens bin ich gesund und zweitens bieten sich mir so viele Gelegenheiten, mich zu zerstreuen. 

Während ich hier sitze, denke ich darüber nach, dass ich mal wieder richtig viel Zeit zum Rohre bauen habe. Wieviele Lieder ich in dieser Zeit schreiben möchte und, dass ich endlich Aho Kalevis Quintett zu Ende üben kann.

Und dann sind da die vielen Nachrichten meiner Schüler (die ich in nächster Zeit, wenn überhaupt, dann wohl nur über Skype treffen werde), die mir letztendlich den Anlass gegeben haben, diesen Text zu schreiben.


Ich habe eine Schülerin, die mit dem Oboespielen in der Nachkriegszeit begann. Sie erzählte mir, wie ihr großer Traum als Erwachsene in Erfüllung ging, Oboe spielen zu lernen. Ich las diesen Text und war sehr gerührt – was für ein Leben habe ich doch bisher gelebt und wie undankbar bin ich in manchen Momenten für die Möglichkeit, dass zu tun, was mir wirklich Freude bereitet. In guten wie in schlechten Tagen – das war eigentlich schon immer mein Credo. Aber trotzdem: Als Musiker hat man schnell immer zu wenig von Allem: Zu wenig Geld, zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Perspektive. Aber manchmal hat man auch einfach nur zu wenig Dankbarkeit. 

Bis vor Kurzem belieferte uns ein griechischer DHL Bote – der beste DHL-Bote, den wir je hatten. Wir kannten seinen Namen und haben oft mit ihm geredet. Eines Tages bekamen wir von ihm einen Brief, er schrieb, dass er aufhören wolle, weil er körperlich und psychisch an seine Grenzen gestoßen sei. Er ist eigentlich studierter Musiker und will wieder das machen, was er liebt. Ich weiß, dass er sich bei mehreren Musikschulen vorgestellt hat… ich hoffe er hat es geschafft. Seine Entscheidung war mutig und nachvollziehbar.

Meine Schülerin, die so glücklich darüber ist, dass die Oboe in ihrem Leben einen Platz hat und unser ehemaliger DHL-Bote, der für seine Leidenschaft kämpft, mehr als ich je kämpfen musste, haben mir gezeigt: Es wird weitergehen. Wir müssen uns jeden Tag innerlich dafür entscheiden, Musiker zu sein. Auch wenn es hart ist und wenn wir unser Geld vielleicht zeitweise sogar mit etwas Anderem verdienen. 

Musik ist keine Option, sie ist eine Notwendigkeit. Gerade in Zeiten wie diesen und darum wünsche ich euch, dass ihr Musik macht, dass ihr diese Wochen so gut es geht nutzen könnt – für euch und für die Musik.

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